Die rote Wappendecke EG 783 aus Schloss Eggenberg wurde 2024 von der Textilrestaurierung Neugebauer GmbH auf dem Gelände von Schloss Schönbrunn konserviert. Sie zeigt das Wappen des Fürsten von Eggenberg mit Herzschild und wird von Reliefstickerei in Gold- und Silberfäden gerahmt.





Die Wappendecke
Über dem zentralen Wappen befindet sich die plastisch erhaben gestickte fürstliche Krone. Eine prunkvolle Bordüre mit Blütenmotiven, Blatt- und Rankwerk umschließt die Decke. Das Mittelwappen ist mit Früchten in Füllhörnern, Festons und einem Maskaron geschmückt.
Die Oberfläche war mit Staub belastet; in Vertiefungen der Stickerei lagen zusätzlich leere Mottenhüllen. Metallfäden des Grundstoffs aus Drap d’Or waren teilweise flottierend, abgerissen oder fehlten. Auch an den Goldstickereien hatten sich einzelne Metallfäden gelöst oder waren durch Abrieb verloren gegangen.
Konservierung und Restaurierung
Die textilen Oberflächen und Stickereien wurden trocken gereinigt. Lose Staubauflagen entfernten die Restauratorinnen mit Pinseln und regulierbarer Saugkraft; sensible Bereiche wurden zusätzlich vorsichtig mit PU-Schwämmchen abgetupft. Alle eingesetzten Restauriermaterialien wurden farblich an das Original angepasst.
Fast alle losen Goldgespinste konnten nähtechnisch gesichert werden. Nur sehr kurze Fragmente oder Bereiche, in denen der hohe Reliefaufbau kein Durchstechen zuließ, wurden klebetechnisch gefestigt.
Der originale Grundstoff ist links und rechts innerhalb der Bordüre erhalten. Im mittleren Bereich war das Drap d’Or bei einer früheren Bearbeitung durch ein farblich abgestimmtes Baumwollrips ersetzt und das Wappen dabei in die entgegengesetzte Richtung appliziert worden. Durch den Tausch der beiden Bordürenseiten wurden die Motive wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht; fehlende Goldstickereimotive wurden für einen geschlossenen Gesamteindruck ergänzt.
Ein neues Futtergewebe wurde direkt aufgearbeitet und in regelmäßigen Abständen mit Stützstichen mit dem Grundstoff verbunden. Dadurch wird die Wappendecke von ihrem Eigengewicht entlastet. Für die Präsentation auf einer schrägen Platte erhielt sie ein Klettbandsystem.
Von Rom nach Schloss Eggenberg
Sechs erhaltene Wappendecken aus einer ursprünglich 60 Stück umfassenden Serie zeugen von den textilen Festdekorationen, die Fürst Johann Anton von Eggenberg für seine römische Gesandtschaftsreise 1638/39 anfertigen ließ. Der Fürst vertrat Kaiser Ferdinand III. am päpstlichen Hof und setzte bei seinen Einzügen in Rom auf größtmögliche repräsentative Wirkung.
Die in jesuitischen Werkstätten in Rom gefertigten Wappendecken wurden bei einem Triumphzug auf den Rücken von 60 Maultieren präsentiert. Goldene Reliefstickereien auf rotem und gelbem Drap d’Or zeigten das Eggenbergische Wappen. Nach der Rückkehr gelangte die Ausstattung nach Schloss Eggenberg.
Ein frühes Foto dokumentiert Wappendecken gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Portieren vor den Türen des Planetensaals. Für die Jubiläumsausstellung „Ambition & Illusion – Schloss Eggenberg: Inszenierung der Welt“ wurden 2025 Wappendecken, Livreen und der erhaltene Zeremonialwagen nach rund 350 Jahren wieder gemeinsam gezeigt.
Historischer Kontext nach Barbara Kaiser und Valentin Delic.
Reinigung großformatiger Textilien
Die Textilrestaurierung Neugebauer GmbH ist auf die Erhaltung, Reinigung und Konservierung historischer und sensibler Textilien spezialisiert. Für großformatige Textilien betreibt sie auf dem Gelände von Schloss Schönbrunn eine Reinigungsanlage: Die Objekte liegen flach, werden mit Aerosolnebel befeuchtet und während des gesamten Prozesses über einen Unterdrucktisch schonend entwässert. Wasserproben helfen dabei, den Reinigungsprozess zu kontrollieren und zu steuern.
